Ein Logo entsteht

erstellt von Heidi Fleischli / Martina Keiser

Das gelbe M auf rotem Grund, vier ineinandergreifende Ringe, der angebissene Apfel. Es gibt Logos, die kennt fast jedes Kind. Sie haben einen hohen Wiedererkennungswert, schaffen Vertrauen und animieren zum Kauf oder zur Auftragserteilung. Sowohl Weltkonzerne wie auch der Bäcker um die Ecke zeigen mit ihrem Logo, wofür sie stehen. Doch wie entsteht so ein Ding, das einzigartig, wiedererkennbar und doch möglichst einfach sein soll?

Ein Logo repräsentiert die Identität der Firma in möglichst einfachen Strichen und/oder Buchstaben, es stiftet Identität nach innen und Vertrauen nach aussen. Es ist quasi das Gesicht eines Unternehmens. Klingt komplex. Und dennoch soll das Logo eine einfache Reduktion dessen sein, was das Unternehmen oder das Produkt eigentlich ausmacht.

Am Anfang steht der Austausch

Die Erarbeitung eines Logos folgt gewissen Regeln und ist dabei doch immer ein individueller Prozess. Gewisse Logos entstehen auf konkreten Vorstellungen des Kunden, andere wiederum praktisch auf der grünen Wiese. In der Zeit der identitätsbasierten Markenführung steht für uns am Anfang des Entwicklungsprozesses die Auseinandersetzung mit der Firma, ihrem Kern und den Markenwerten. In einem ersten Dialog erarbeiten wir gemeinsam mit dem Kunden die Grundlagen für die Logo-Entwicklung. Wünsche und Bedürfnisse werden eruiert, berücksichtigt – und: einige auch ignoriert. Warum? Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Oft haben wir als Agentur den ungetrübteren Blick in den Teich und wir sehen uns verantwortlich, mit unserem Know-How und der Erfahrung das Beste für die Marke zu entwickeln. Im Gespräch mit dem Kunden klären wir auch das benötigte Zeitfenster. Wenn bspw. noch das Naming entstehen muss, markenrechtliche Abklärungen erforderlich sind oder ein CD-Leitfaden entwickelt werden soll, ist der Prozess ein wesentlich längerer.

Recherchieren, konzipieren, entwerfen

Inspiration ja, Kopie nein. Für die Logo-Entwicklung betreiben wir als erstes Recherchen im Marktumfeld des Kunden. Je nach Ausgangslage ist diese Phase mehr oder weniger intensiv. Das neue Markenzeichen soll am Ende einzigartig sein und sich von den Mitbewerbern abheben. Wir setzen uns mit der Geschichte und dem Kern des Unternehmens bzw. des Produkts sowie seinen Anspruchsgruppen auseinander. Erst später beginnen wir mit den ersten Skizzen – dem Design.

Ideenskizzen für das neue Logo von Backen mit Naturstrom

Unsere Kreativen berücksichtigen folgende Kriterien im Designprozess:

  • Tonalität (laut, leise, urchig, modern, seriös, ausgeflippt)
  • Farbauswahl (dezent, dynamisch, Farbbedeutungen)
  • Schriftwahl (Serifen sind seriös und traditionell, Schreibschriften sind verspielt und kreativ, Groteskschriften sind modern)
  • Formsprache (organische Formen, Ecken und Kanten, Schnörkel oder Reduktion)

Das Ziel: Ein gutes Logo - verständlich, einzigartig, wiedererkennbar und reproduzierbar.

We proudly present ...

Nach viel Vorarbeit entstehen am Ende 2-3 Vorschläge, die wir dem Kunden unterbreiten. Dabei haben wir fast immer einen Favoriten, wobei wir nichts präsentieren, hinter dem wir nicht stehen könnten. Hier diskutieren wir gerne, denn am Ende muss der Kunde sich mit seinem neuen Markenzeichen identifizieren und sich «zuhause» fühlen.

Verschiedene Logo-Entwürfe für Jonagold von Ramseier

Korrekturen und Finish

Nachdem der Kunde sich bestenfalls in ein Logo verliebt hat, beginnt der Feinschliff. Allfällige Änderungen werden umgesetzt, wir perfektionieren und verfeinern bis das finale Design allen Belangen stand hält. Das Logo wird für alle Anwendungen ausgearbeitet, Farben und mehr fix definiert. Oft entsteht daraus auch ein Design-Guide, der die Anwendung des Logos regelt.

Fertiges, neues Logo nach dem Redesign für MakroArt

Und zum Schluss:
Die 3 grössten Fehler im Logo-Design

  1. Unterschätzte Typografie
    Die gewählte Standardschriftart ist nicht einzigartig und jeder zweite Mitbewerber arbeitet damit? Comic Sans-Schrift für ein seriöses Dienstleistungsunternehmen? Drei Schriftarten in vier Wörtern? Die Typografie bietet eine Unmenge an Möglichkeiten, Fehler zu machen.
  2. Fehlende Durchgängigkeit für den Logo-Einsatz
    Das Logo strahlt auf dem Plakat prächtig, passt aber nicht als Kleinandwendung für den Kugelschreiber? In der Schwarzweiss-Anwendung ist der Name nicht mehr lesbar? Online sieht das ganze sehr chic aus, aber die goldene Logofarbe kann partout nicht sauber gedruckt werden? Wer vorher prüft, ob sein Markenzeichen auch für verschiedene Einsätze geeignet ist, erspart sich viel Ärger.
  3. Allen Ideen gerecht werden wollen
    Der CEO hätte gerne noch das zusätzliche Icon im Logo integriert und im Entstehungsprozess hatten wir so gute Ideen, die müssen doch alle ins Logo rein. Hier gilt: Kill your Darlings. Die Verständlichkeit des Logos wird es Ihnen danken, weniger ist effektiv mehr.

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